Crash auf der A8 – mein erster Einsatz

Über 2 1/2 Jahre sind vergangen, seit ich bei Mercedes gekündigt habe. Unzählige Prüfungen habe ich hinter mich gebracht. Flugstunde um Flugstunde durfte ich Erfahrungen sammeln, sei es als Fluglehrer oder bei Touren, Photoflügen und als Newspilot. Anschließend kam eine längere Zeit im Büro bei der ADAC Luftrettung und gegen Ende letzten Jahres dann endlich die Umschulung auf den ADAC Hubschrauber. Und nach all dieser Zeit und den ganzen Erfahrungen, war es dann endlich soweit. Meine ersten Dienste in Ulm auf der Rettungsstation :-).

Leider ist es in Ulm im Winter oft recht neblig, so dass ich 4 von den 5 Diensttagen in der Nebelsuppe saß und nicht fliegen konnte. Aber am Ende war das auch ok. Ich wurde sehr herzlich von allen Kollegen empfangen und wir hatten ausreichend Zeit für Kennenlerngespräche. Gleichzeitig ist bei schlechtem Wetter auch immer ein Notarztfahrzeug einsatzbereit, und wir wurden 2x alarmiert. So durfte ich auf dem Rücksitz meine erste Blaulichtfahrt erleben und hab dabei definitiv mehr Adrenalin als mit dem Hubschrauber ausgeschüttet.

Dann am 4. Tag war es endlich soweit. “Gutes Wetter”, also zumindest kein Nebel um die Station herum. Wir haben uns morgens bei der Leitstelle als einsatzbereit gemeldet, und dann hieß es warten. Stunde um Stunde verging, und es kam einfach keine Alarmierung. Gegen 14 Uhr hab ich dann fast die Hoffnung schon aufgegeben, da es ab 16:30 auch dunkel wurde und, ich (weil die Nachtausbildung noch fehlt) nicht mehr fliegen hätte können. Aber dann kurz nach 14 Uhr kam tatsächlich mein allererster Hubschrauberrettungseinsatz. ” Crash auf der A8, zwei LKW, 6 Personen, 1 Schwerverletzter” – hieß die Einsatzmeldung. Wow, da stieg die Aufregung natürlich total. Dass mein erster Einsatz mich gleich auf die Autobahn führt, hätte ich nicht gedacht. Also schnell die Schuhe an, und ab in den Hubschrauber. Da ich noch ganz am Anfang vom Rettungs-Training bin, fliegt aktuell noch der Lehrer zum Einsatz. Soll ja für den Patienten kein Nachteil sein, weil bei mir alles noch langsamer ist. Keine 15min später steh ich dann tatsächlich auf der Autobahn. Ein Wahnsinnsgefühl! Am Ende haben die Beteiligten ziemlich Glück gehabt, was mich natürlich sehr gefreut hat. Hätte auch wirklich anders ausgehen können.

Auf dem Rückweg durfte ich dann ans Steuer und es war richtig magisch. Unter uns war großflächig eine dichte Nebeldecke. Das Ulmer Münster hat nur mit der Spitze noch durch den Nebel geschaut. Ein wirklich toller Moment – ich bin aus dem Grinsen kaum mehr rausgekommen :-).

Jetzt im Januar geht dann meine Nachtflugausbildung los, so dass ich dann bald auch mit Nachtsichtgeräten fliegen darf. Dann sammel ich noch ein bisschen Erfahrung in Ulm am Tag. Und im Frühjahr werd ich dann zusätzlich in Mainz zum Nachtdienst eingesetzt. Da freu ich mich auch schon drauf, bin aber gespannt, wie ich es verkraften werd nachts um 3 Uhr aus dem Bett geklingelt zu werden.

Ganz liebe Grüße und allen einen guten Start ins neue Jahr!

Julian

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